Nach dem Frühstück werden wir abgeholt und zum Flughafen in Cusco gebracht. Von hier starten wir in unsere letzte Etappe, dem Aufenthalt im Amazonas-Regenwald. Schon bei der Landung in Puerto Maldonado sieht mich die Stewardess mitleidig an und deutet auf meine Alpakajacke, die ich noch trage. Ja, hier ist es wieder deutlich wärmer und auch die Luftfeuchtigkeit ist hoch. Das Alpaka ist überflüssig und verschwindet direkt im Rucksack. Vom Flughafen fahren wir eine Stunde bis zum Stadtbüro unseres Hotels. Hier heißt es wieder umpacken, denn erneut gibt es Gepäckbeschränkungen. Wir kriegen alle eine orangefarbene Dufflebag und unseren Tagesrucksack dürfen wir auch mitnehmen, aber das große Gepäck muss hier bleiben. Weitere zwei Stunden sind wir mit dem Boot auf dem Rio Tambopata unterwegs, bevor wir unsere Dschungellodge erreichen. Unterwegs sehen wir Wasserschweine, die größten lebenden Nagetiere, Schildkröten und auch Aras an der Lehmlecke. Außerdem kriegen wir hier unser Mittagessen, ein vegetarisches Reisgericht, serviert im Bananenblatt. Als wir unser Ziel erreichen sehen wir, dass der Aufstieg abenteuerlich werden könnte, denn wie es scheint hat der Fluß gerade einen recht niedrigen Pegel, so dass wir uns zu der angelegten Treppe erst einmal einen Weg durch den Matsch bahnen müssen. Notdürftig wurden ein paar Holzbretter hingelegt und so klappt es irgendwie. Angekommen in der Lodge fühlen wir uns gleich heimisch, denn die Unterkunft ähnelt den Lodges in Malaysia.

Mittagessen im Bananenblatt

Wasserschweine im Rio Tambopata

Schildkröte im Rio Tambopata

Aras an der Lehmlecke

Uns ist warm und wir sind verschwitzt, als wir uns endlich im Haupthaus hinsetzen und unseren Welcome-Drink trinken können. Wir erfahren kurz, wo unsere Räume sind und was es noch zu beachten gibt, als unser Guide und die anderen Hotelmitarbeiter plötzlich hektisch werden. Schnell erfahren wir den Grund dafür: es wurde ein Jaguar im Fluss gesehen. Jetzt heißt es schnell sein, den Weg zum Ufer laufen, die Treppen runter, schnell, aber trotzdem trittsicher über die Bretter balancieren und rein ins Boot. Die Hotelbelegschaft fährt auch mit, denn auch für sie ist der Jaguar eine Besonderheit. Wir fahren nur sehr kurz, schon in der Kurve wird das Boot langsamer und alle suchen gespannt das Ufer ab. Die Kamera im Anschlag, der Atem angehalten. Irgendwann legt sich unsere Anspannung und der Guide erklärt uns, dass der Jaguar wohl schon weg ist und wir jetzt zurück zur Lodge fahren. Wieder den Matschweg und die Treppe rauf. Inzwischen können wir auch unsere Zimmer beziehen. Es sind einfache Räume mit zwei Betten, einem kleinen abgetrennten Bereich mit der Toilette und Dusche und zwei Ablageflächen für die Taschen. Die Fenster bestehen nur aus Fliegengitter, der Dschungel ist direkt vor der Tür. Ich will gerade unter die Dusche, als von draußen wieder Rufe ertönen. Der Jaguar ist wieder da. Ich will ehrlich sein, ich war schon leicht genervt, dass mich anstatt einer herrlich erfrischenden Dusche jetzt wieder das Gerenne zum Boot erwartet und dann am Ende vielleicht gar kein Jaguar zu sehen ist. Trotzdem schnappe ich mir natürlich meine Kamera und laufe den anderen hinterher. Zugegeben, diesmal ein wenig verhaltener. Als das Boot voll ist geht es wieder in die gleiche Richtung, an der Biegung werden wir wieder langsamer und wieder legt sich Stille über das Boot. Doch diesmal verstummt das Getuschel nicht, sondern es wird eine leise Aufregung spürbar. Denn die ersten haben ihn entdeckt. Den Jaguar. Er liegt da auf einer Astgabel, direkt über dem Wasser, mit dem Hinterteil zum Fluss. Jetzt sehe auch ich ihn. Die kalte Dusche ist vergessen, immerhin liegt hier nur ein paar Meter entfernt eines der schönsten Tiere, das ich je ohne Käfig und so nah gesehen habe. Das Boot treibt langsam weiter und jetzt sehen wir auch den Kopf des Jaguars, denn natürlich sind wir auch nicht unbemerkt geblieben. Er schaut in unsere Richtung, neugierig, bleibt aber träge auf dem Ast liegen. Was für ein unglaublicher Moment. Kurze Zeit später wird es den Tier dann wohl doch ungemütlich, denn es erhebt sich langsam und stolziert vom Wasser weg in das Dschungeldickicht, wobei wir noch einmal seinen ganzen Körper und die eleganten Bewegungen sehen. Auch unsere Gastgeber sind happy, denn auch von ihnen hat der Großteil noch keinen Jaguar in freier Wildbahn gesehen, selbst für unseren Guide war es erst das zweite Mal. Glücklich klettern wir nun schon zum dritten Mal die Treppe zur Lodge hoch. Jetzt ist es aber wirklich Zeit für eine Dusche.

Selten habe ich so ehrfürchtig ein Hinterteil betrachtet

Die Show ist vorbei – der Jaguar zieht sich in den Wald zurück

Abends brechen wir zur gemeinsamen Nachtwanderung durch den Dschungel auf. In Gummistiefeln geht es direkt rein in den Wald, es gibt keinen Weg oder Pfad, dem wir folgen. Nur im Strahl der Taschenlampe sehen wir etwas, um uns herum ist es stockdunkel. Die Geräuschkulisse hingegen ist enorm, Zikaden und Grillen, dazu noch hier und da ein Rascheln und dann fliegt auch noch ein großer Falter urplötzlich in unsere Gruppe, was einem in der Dunkelheit schon sehr erschrecken kann. Auch  die Stabheuschrecken und die großen Ameisen sind beeindruckend für uns, dann entdecken wir die erste Spinne, die an der Unterseite eines Blattes hängt. Aber lieber ist sie hier als in unserem Zimmer. Unser Guide lacht, als wir ihm sagen, dass da eine große Spinne ist, dann geht er auf die andere Seite des Baums und zeigt auf die wirklich große Vogelspinne, die da sitzt und sagt „Das ist eine große Spinne“. Damit nicht genug, mit einem Stöckchen ärgert er die Spinne noch etwas, damit sie noch mehr ins Licht kommt. Später sehen wir noch eine weiter Vogelspinne, die der Guide aus ihrem Versteck lockt, wo sie gleich zwei, drei Jungtiere mitbringt. Außerdem sehen wir noch Frösche und eine Skoripon-Spinne, die am Baum hängt. Sie ist wohl recht giftig und umso wichtiger ist es, sich nicht an den Bäumen abzustützen, wenn man das Gleichgewicht verliert.

Stabheuschrecke

Ameise in einer anderen Dimension als bei uns

Kleine Spinne

Große Spinne

Skorpion-Spinne

Es hat die ganze Nacht geregnet, was ziemlich laut, aber gleichzeitig auch beruhigend war. Demnach wache ich recht gut ausgeruht am nächsten Morgen auf, als der Wecker schon um 5 Uhr klingelt. Wir haben heute eine ca. 5 km lange Wanderung durch den Dschungel vor uns. Dazu dürfen wir wieder die Gummistiefel anziehen, denn spätestens seit dem Starkregen in der letzten Nacht sind die Wege komplett aufgeweicht und teilweise müssen wir durch wadentiefe Schlammlöcher stiefeln. Barfuss wäre auch eine Alternative, aber da hab ich dann doch zu viel Angst vor der Amazonas-Tierwelt. Wir müssen uns ziemlich ran halten, denn wir hoffen an unserem Ziel, einem See, Riesenotter zu sehen. Dabei ist das mit dem ran halten gar nicht so einfach, zumal natürlich auch tagsüber Vorsicht geboten ist, wenn man sich an Bäumen abstützen will. Dennoch passiert es mir einige mal aus Reflex, aber ich schaue vorher, ob da ein (sichtbares) Tier hockt. Endlich erreichen wir den See, hier steigen wir um in zwei miteinander verschraubte Kajaks. Zunächst fahren wir langsam am Ufer entlang und entdecken erst einmal Hoatzins, eine Hühnerart, am Ufer. Zugegeben, sehr fotogene Hühner. Wir paddeln weiter über den See und erreichen das andere Ufer, hier lassen wir uns treiben und freuen uns über die Affen im Wald oder auch die hübschen Vögel. Und dann tauchen sie auf, die Riesenotter. In einer Formation schwimmen sie zu viert nebeneinander auf uns zu, die Köpfe über Wasser und damit deutlich zu erkennen. Riesenotter sind die größten Otter der Welt mit einer Körperlänge von bis zu 2 m, allerdings sind sie durch Wilderei inzwischen auch vom Aussterben bedroht. Da sie tagaktiv sind und sich nur in einem begrenzten Revier bewegen sind es die Riesenotter, die unter den großen Raubtieren Amazoniens am besten beobachtet werden können. Trotzdem sind es auch die seltensten Raubtiere in dieser Region, man schätzt, dass Jaguare hier bis zu fünfmal häufiger vorkommen. Die Otter interessieren sich allerdings nicht für uns, sondern schwimmen an uns vorbei zum Ufer zu. Und auch wir fahren wieder zurück ans andere Ufer, denn langsam wird es in der direkten Sonneneinstrahlung ungemütlich. Am Ufer gibt es eine kleine Hütte, in der wir unse Snacks aus dem Lunchpaket essen oder die staubigen Kekse in den See werfen, um die Piranhas zu füttern, die ebenfalls in dem See leben. Wir sehen sie zwar nicht, hören aber deutlich, wie sie die Kekse zerkleinern, sobald sie im See landen. Danach treten wir den Rückweg an. Unsere leisen Hoffnungen, dass die Pfützen vielleicht etwas getrocknet sind, werden nicht erfüllt und so kämpfen wir uns wieder durch den Matsch zurück zur Lodge. Unterwegs entdecken wir unter einer Baumrinde noch einen Skorpion. Und wieder gilt „Stütz dich nicht mit den Händen an den Bäumen ab“. Den Nachmittag haben wir frei und die meisten von uns nutzen die Zeit, um sich nach einer erfrischenden Dusche auszuruhen und dem einsetzenden Regen zu lauschen. Wir erfahren, dass heute Abend noch eine Gruppe Australier in die Lodge kommt und fürchten um unsere Ruhe (und unser Bier). Aber Micha bleibt entspannt „Wenn die hier ankommen, dann kriegen die erstmal zweimal Jaguaralarm“. Der Regen hält an und dadurch fällt unsere Abendtour aus. Geplant war eine Bootsfahrt und die Suche nach Kaimanen.

Hoatzins am Seeufer

Da kommen sie angeschwommen, die Riesenotter

Mittagessen

Skorpion, hervorgelockt unter einer Baumrinde.

Gigantische Bäume

Affe im Dschungel entdeckt

Wieder klingelt der Wecker um 5 Uhr. Wir laufen zur Lehmlecke bzw. einem Aussichtspunkt auf ebendiese, wo sich die Aras tummeln sollen. Nach einer kurzen Bootsfahrt und ein paar Metern durch den Wald sind wir da. Aber auf die Aras warten wir heute vergeblich. Also fahren wir nach einer Stunde ohne Arasichtung zurück zur Lodge. Für den Vormittag ist dann noch eine kleine Wanderung zu einem Aussichtturm geplant. Der Weg führt ein Stück entlang der gestrigen Strecke. Da es nur um die Aussicht und nicht um bestimmte Tiere geht und wir in den letzten Tagen auch schon so viele Tiere gesehen haben, bleibe ich lieber in der Hängematte liegen. Gegen Mittag kommen die anderen wieder. Sie erzählen, dass es ein schöner Ausflug war, aber ich jetzt auch kein Highlight verpasst habe. Auch den Nachmittag verbringen wir gemütlich auf unserer Terrasse.

Aussicht auf Lehmlecke und Fluss

Unser Bootsanleger mit Schlammklettertour und Treppe

Angie hat ihre Traumstiefel gefunden

Als der Sonnenuntergang naht, laufen wir zum Fluss und wollen hier zusehen, wie die Sonne unter geht. Zunächst sind wir aber wieder beeindruckt von den Blattschneideameisen, die hier meterlang ihre Straße haben. Man kann genau sehen, dass die Ameisen, die in Richtung Fluss laufen, ein Blatt tragen, während die Gegenrichtung ohne Gepäck unterwegs ist. Sehr faszinierend. Aus dem Wald fliegen zwei Aras hoch und zum anderen Flussufer. Anschließend sitzen wir lange am Bootsanleger, aber so richtig spektakulär ist der Sonnenuntergang nicht. Als wir schon aufgeben wollen, färbt sich der Himmel dann doch noch orangerot. Als es dunkel ist fahren wir noch einmal mit dem Boot raus, wir wollen unsere gestrige Tour nachholen und Kaimane finden. Den ersten sehen wir auch recht schnell am Ufer liegen. Leider bleibt es auch der Einzige heute. Dennoch ist die Nacht so schön und sternenklar, dass wir uns mit dem Boot einfach eine Zeit lang treiben lassen, bevor wir wieder zur Lodge zurück kehren.

Blattschneideameisen bei der Arbeit

 

Bye, bye ihr hübschen Aras

Kaiman gesichtet

Nach dem Frühstück heißt es Abschied nehmen vom Dschungel. Gemeinsam mit den Australiern geht es mit Boot und Bus wieder zurück zum Office, wo wir den Rest unseres Gepäcks wieder entgegen nehmen und von da geht es weiter zum Flughafen. Das Einchecken hier könnte spannend werden, denn es gibt keine Scanner oder ähnliches, sondern alle Taschen werden aufgemacht händisch kontrolliert. Das ist bei den Gerüchen unserer Kleidung, die wir drei Tage im Dschungel getragen haben die aufgrund der Luftfeuchtigkeit auch nicht richtig trocknen konnte, schon eine nicht ganz angenehme Herausforderung. Aber die zwei Flughafenmitarbeiterinnen verziehen keine Miene. Wir fliegen zurück nach Cusco und von da weiter nach Lima. Abends gehen wir zu einem Italiener ganz in der Nähe des Hotels, wo es die besten Gnocchi gibt, die ich seit langem (oder überhaupt?) gegessen habe.

Die unmittelbare Nähe zu den Geräuschen des Dschungels wird mir nachts fehlen.

Unser letzter Tag in Peru bricht an. Wir lassen es ruhig angehen. Nach einem ausgiebigen Frühstück entscheiden wir uns für eine Stadtrundfahrt. Von unserem Stadtteil Miraflores geht es in die Altstadt von Lima, wo wir am Plaza Mayor die Kathedrale besichtigen. Auch einen Feuerwehrgroßeinsatz sehen wir, wobei wir später auf Google erfahren, dass keine Personen zu Schaden gekommen sind. Nach ca. 3 Stunden sind wir wieder zurück und treffen uns mit Jessi und Vroni, die aufgrund von Krankheit und Unwohlsein nicht mitgekommen sind. Am Kennedypark essen wir zu Mittag und bummeln dann noch etwas durch die Stadt, bevor wir zum Hotel zurück kehren. 17 Uhr werden wir wieder abgeholt. Eine gute Stunde später kommen wir nach einer Kamikazefahrt unseres Fahrers am Flughafen an und sind heilfroh darüber. Während Micha, Angie, Vroni und ich schon durch den Sicherheitsbereich gehen, bleiben Roland und Jessi noch draußen, weil sie noch rauchen wollen und wir nicht wissen, ob es drin noch entsprechende Zonen gibt. Als sie später dann wieder zu uns stoßen, erzählen sie uns, dass sie draußen noch kurzzeitig evakuiert wurden, weil eine herrenlose Tasche gefunden wurde und man erst sicherstellen musste, dass keine Gefahr besteht. Der Rückflug läuft ansonsten problemlos. In Amsterdam kaufe ich noch Käse und dann geht es schon weiter nach Düsseldorf. Hier übernachte ich noch eine Nacht, weil abends kein Flug mehr nach Nürnberg geht.

Limas Straßen

Verkehrspolizei in Lima – sponsored by Inca Kola

Brand während der Stadtrundfahrt

Plaza Mayor

Catedral de Lima

Ursprünglich gebaut aus Bambus