Die Idee, im Herbst noch etwas Sonne zu tanken, finde ich von Anfang an gut. Nach einigen Recherchen fällt die Entscheidung auf Kreta. Auch wenn ich mir noch nicht sicher bin, wie sommerlich der Urlaub wirklich werden wird, denn immerhin sind die Temperaturen am Abflugtag in Deutschland denen auf Kreta recht ähnlich und bei dem Gedanken, jetzt in Deutschland im Badeanzug am See zu liegen, durchläuft mich doch ein kurzer Schauer. Dennoch hoffe ich, dass ich im Urlaub ein paar Sonnenstrahlen abkriege. Und um das gleich vorweg zu nehmen: Ja, es hat sich definitiv gelohnt, zum Ende der Saison nach Kreta zu fahren. Das Wetter war ideal, wir konnten sowohl im Meer als auch im Pool baden und kamen aber auch bei Spaziergängen oder Wanderungen nicht zu stark ins Schwitzen. Zudem sind die Strände nicht überlaufen und überall locken die Geschäfte mit Sonderangeboten. Wiederholungsbedürftig!

Unser Hausstrand – der erste Eindruck der Insel könnte nicht besser sein.

Tagesauflug nach Santorin

Zunächst einmal kann man sich darüber streiten, ob sich ein Tagsauflug von Kreta nach Santorin lohnt oder ob man nicht lieber einen längeren Aufenthalt dafür einplanen sollte. Immerhin dauert allein die Fährüberfahrt von Heraklion gute zwei Stunden. Zudem benötigen wir auch noch einmal so lange, um von unserer Unterkunft in der Nähe von Georgioupolis erst einmal zum Hafen zu kommen und von Rethymno starten schon keine Fähren mehr, hier ist die Saison schon beendet. Es dämmert gerade erst, als unsere Fähre ablegt.

Morgens am Hafen von Heraklion

Angekommen auf Santorin fahren wir von der Inselhauptstadt Fira mit dem Bus nach Oia in den Norden der Insel. Schon die Fahrt ist beeindruckend, wenn einem zum ersten Mal bewusst wird, dass man gerade auf  dem Rand eines Kraters entlang fährt. Oia ist wohl das, was wir uns nach den Bildern, die wir aus dem Internet kennen, unter Santorin vorstellen. Weiße Häuser, blaue Kuppeln und eine dunkle Steilküste, die im blauen Meer verschwindet. Hier gibt es das alles. Wir laufen etwas durch die Stadt und genießen die Atmosphäre. Es ist recht voll, aber auch schön hier. An jeder Ecke wartet eine neue, tolle Aussicht. Vorbei am Haus von Angelina Jolie geht es anschließend an der Caldera entlang zurück nach Fira.

Oia – das typische Santorin

In Fira machen wir noch einem kurzen Spaziergang durch die Altstadt und essen eine Kleinigkeit. Danach fahren wir von hier mit einem Piratenboot zur vorgelagerten Insel Palea Kameni, die alte Verbrannte, um hier in den Vulkanquellen zu baden. Leider haben wir uns aufgrund mangelnder Information nicht darauf eingestellt. Aber ein Bad über dem Vulkan wollen wir uns nicht entgehen lassen und improvisieren daher. Ergebnis: Wir hüpfen in Unterwäsche ins Wasser. Und das ist es absolut wert. Da wir vom Boot ungefähr 50 m schwimmen müssen, merken wir deutlich, wie das Wasser von Meter zu Meter wärmer und auch flacher wird. Gleichzeitig ist es vom Schwefelgehalt so gelb, dass man den Grund nicht sieht, was mir den einen oder anderen blauen Fleck beschert, da ich mich an den scharfkantigen Steinen stoße. Schon um fünf treffen wir wieder am Hafen ein, um uns auf die Rückfahrt zu machen. Während der Fährüberfahrt sehen wir noch einen tollen Sonnenuntergang. Es ist schon fast zehn, als wir wieder unsere Unterkunft auf Kreta erreichen.

Fira, die Hauptstadt der Insel

Fast zu kitschig, um wahr zu sein

Bis zum nächsten Mal, Santorin!

Hafenstadt Chania

In Chania waren wir gleich zwei Mal. Das deutet schon ganz gut darauf hin, dass es sich lohnt, hier etwas mehr Zeit einzuplanen. Wir sind beim ersten Besuch nach dem Mittag im Hotel mit dem öffentlichen Bus nach Chania gefahren. Zur Altstadt sind wir ungewollt einen kleinen Umweg gelaufen, da wir uns erst orientieren mussten. Beim Bummel durch die Ledergasse beschließen wir, erst nur zu gucken und später noch in die einzelnen Läden zu gehen, die vielversprechend aussehen. Zunächst laufen wir aber in Richtung Hafen und zurück dann doch nicht über die Ledergasse, sondern über andere Einkaufsstraßen. Da wir nicht im Dunklen zurück fahren wollen, endet unser erster Besuch in Chania hier auch schon.

Aber so richtig reicht es uns noch nicht. Also fahren wir noch ein zweites Mal hin. Nun wissen wir, wo wir hin wollen. Es zieht uns wieder in die Ledergasse und dieses Mal wollen wir nicht nur gucken. Zum Saisonende werben viele der Geschäfte mit Sonderpreisen, das wollen wir uns nicht entgehen lassen. Als erstes stöbern wir bei einem Juwelier, da meine Schwester gerne eine Halskette hätte. Am Ende kaufe ich hier einen Ring vom Label K.And. Weiter geht es über die Ledergasse und wir kaufen noch in verschiedenen Läden Souveniers. Zum Abschluss besuchen wir heute auch noch die Markthalle, wo wir uns ein leckeres Mittagessen gönnen. Die Markthalle ist nett, aber auch nicht besser oder spezieller als andere Markthallen, die man kennt.

 

Kournas-See

Der Kournas-See wird uns von mehreren Seiten empfohlen. Es ist der einzige natürliche Süßwassersee auf Kreta und liegt ca. 4 km von unserem Hotel entfernt. Also laufen wir nach dem Frühstück weg von der Küste in Richtung Inselmitte. Der Spaziergang führt zum Teil durch sehr dreckige Gegenden, wo man von den Einheimischen auch nicht freundlich gegrüßt, sondern eher skeptisch beäugt wird. Wir sind froh, als wir auf den ruhigen Wegen außerhalb der Ortschaften sind.

Wir sind nicht die Einzigen auf dem Weg zum See.

Zunächst landen wir auf einer Straße, die ansteigend um den See herum führt und von der man einen schönen Blick auf den See hat. Und der Weg hat sich gelohnt, der See ist glasklar und liegt idyllisch zwischen den Hügeln. Aber wir wollen den See nicht nur von oben sehen. Also laufen wir runter zum Ufer. Hier mieten wir uns ein Tretboot und fahren quer durch den See zur Ufernähe, da hier die Chance, Tiere zu sehen, am größten ist. Neben Fischen und Vögeln sehen wir hier auch mehrere Schildkröten. Sogar ein Eisvogel schießt vor uns aus dem Gebüsch. Für den Rückweg gönnen wir uns eine Fahrt mit der kleinen Bimmelbahn, die hier entlang fährt.

Die Schildkröte genießt ihr Sonnenbad.

Diese auch.

Wanderung durch die Imbros-Schlucht

Auf Kreta gibt es eine ganze Menge Schluchten. Die größte ist die Samaria-Schlucht. Sie ist wahrscheinlich eines der Highlights der Insel. Ich möchte aber lieber eine andere Schlucht erkunden. Im Vorfeld habe ich verschiedene Blogbeiträge über Kreta gelesen und wollte danach gerne die Aradena-Schlucht sehen. Leider haben nicht viele Anbieter diese Schlucht im Programm und so hätten wir uns einen eigenen Transport nach Plakias organisieren müssen. Das wäre auch irgendwie möglich gewesen, aber auf der Tour war auch nur noch ein Platz frei. Also muss eine Alternative her. Wir entscheiden uns für die Imbros-Schlucht, die zweitbekannteste Schlucht Kretas. Von unserem Hotel geht es durch die weißen Berge in den Süden der Insel. Schon der erste Fotostopp ist traumhaft, wie der Nebel mystisch um die Hügel wabert.

Eine Nebeldecke umhüllt die weißen Berge

Etwas weiter südlich befindet sich dann der Eingang zur Schlucht. Die Gruppe verläuft sich recht schnell, meine Befürchtung, dass wir uns gegenseitig durch die Schlucht schieben, bewahrheitet sich glücklicherweise nicht. Anfangs laufen wir lange Zeit im Schatten, da die Sonne noch nicht so hoch steht. Mit der Zeit wird es aber heller und auch wärmer. Die Schlucht ist wirklich beeindruckend, rau und wild und trotz der wenigen blühenden Pflanzen um diese Jahreszeit schön. Links und rechts begegnen uns immer wieder Bergziegen, die sich von den durchlaufenden Menschen nicht beeindrucken lassen. Verlaufen kann man sich hier übrigens nicht. Es gibt aber häufiger Weggabelungen, an denen man sich entscheiden muss, rechts oder links zu gehen. Oft sieht man nicht, welcher Weg einfacher ist. An jeder Gabelung entsteht so ein neues Abenteuer. Ein großer Teil der Strecke verläuft über lose Gröllsteine, daher sollte man schon einen gesunden Gleichgewichtssinn haben. Die engste Stelle der Schlucht ist gerade einmal 1,60 m breit, hier kann man mit den Händen gleichzeitig beide Wände berühren. Kurz nach dieser Engstelle ist die Hälfte der Strecke geschafft. Zeit für eine kurze Pause. Es gibt eine kleine Hütte mit Sitzgelegenheiten und sogar Toiletten, auch wenn diese recht abenteuerlich aussehen. Der zweite Teil der Strecke ist nicht mehr so außergewöhnlich, nur das steinerne Tor ist noch mal ein Höhepunkt des Weges. Gegen Ende der 8 km langen Wanderung wird das Laufen auf den losen Steinen zunehmend schwerer und ich bin froh, als wir die vereinbarte Zieltaverne erreichen. Die Imbros-Schlucht war eine gute Entscheidung, auch wenn ich der Aradena-Schlucht noch ein klein wenig hinterher trauere.

Trittsicherheit und Gleichgewichtssinn sind hier gefragt

Verstaubt und ausgepowert treffen alle nach und nach wieder an unserem Bus ein. Wir haben uns eine Belohnung verdient. Es geht nach Chora Sfakion, einem kleinen Ort ganz in der Nähe, direkt am lybischen Meer. Hier können wir den Schluchtenstaub im Meer abwaschen. Es gibt eine hübsche, kleine Bucht, die auch nicht überlaufen ist. Das Wasser ist ganz klar und gefühlt noch salzhaltiger als auf der Nordseite der Insel. Man muss sich kaum bewegen und geht trotzdem nicht unter. Es ist herrlich erfrischend und enspannend. Anschließend trocknen wir uns auf den Sonnenliegen, die hier stehen. So gefällt mir der Urlaub. Ich denke kurz an den Herbst, der unweigerlich in Deutschland kommen wird. An nasskalte Tage und Regenwetter. Und ich versuche, so viel wie möglich von der Sonne zu speichern. Am frühen Nachmittag geht es mit dem Bus zurück nach Kavros. Wir fahren die Straße entlang, die neben der Schlucht verläuft, aber aufgrund der vielen Serpentinen ganze 22 km lang ist. Daher war lange Zeit der (Fuß-) Weg durch die Schlucht eine wichtige Handelsverbindung, als es keinen Linienbusverkehr entlang der Straße gab und auch nur wenige Kreter ein Fahrzeug besaßen. Wir haben von hier aus auch noch einmal die Gelegenheit, die Imbros-Schlucht von oben zu zu sehen.

Genau das Richtige nach der Schluchtenwanderung.

Die Imbros-Schlucht noch einmal von oben.

Fazit:

Kreta ist eine tolle und abwechslungsreiche Insel. Ich habe längst nicht alles gesehen, was ich geplant hatte und doch war ich jeden Tag unterwegs. Ich habe mir fest vorgenommen, noch einmal wieder zu kommen. Der Oktober ist die perfekte Jahreszeit dafür, auch wenn man bestimmt Pech haben kann mit dem Wetter. Beim nächsten Besuch will ich auf jeden Fall nach Elafonisi und Balos. Die eine oder andere archäologische Ausgrabungsstätte ist bestimmt auch interessant. Und die Aradena-Bucht habe ich auch noch nicht abgehakt. Zudem gab es bei dem Juwelier in Chania noch so viel schönen Schmuck, dass sich da bestimmt ein weiterer Besuch lohnt. Und nicht zuletzt war der Feta hier einfach so lecker.

Abschiedsfoto am Flughafen bei Sonnenaufgang mit meinem neuen kretischen Ring von K.AND.